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Impressionen einer 3 Wochen Tour über das Coloradoplateau

 

Ursula and Volker
  • 12. September

 

Ich hole am Abend meine beiden Gäste Ursula und Volker vom Flughafen Denver ab. Wir werden die nächsten 3 Wochen eine Reise über das Coloradoplateau machen.

Als wir den Flughafen verlassen ist es schon dunkel. Wir fahren durch Denver zur Lookout Mountain Road. Eine steile Serpentinenstrasse, an deren Ende es einen gigantischen Ausblick über Denver bei Nacht gibt. Ein paar Meilen weiter übernachten wir am Waldrand. Als wir gerade in die Kiste gehen wollen, höre ich draußen Geräusche. Ich leuchte mit der Lampe und sehe ein paar Wapiti Hirsche, genau neben Arminius. Ich rufe Volker, der schaut und sagt, wo kommen denn die Kühe her? Kühe? Okay, es war ein langer Flug und wir hatten ein paar Bier. Hey, schau mal, die Kühe haben hier aber riesige Hörner! Da realisiert er erst, was er da sieht. Das gibt’s doch nicht, sagt er. Sind die ausgebrochen? Willkommen in Amerika!!!

 

  • 13. September

 

Wir fahren über den Hwy I 70, den ich seit Baltimore schon 1800 Meilen drangsaliere, Richtung Grand Junction, zu meinen Freunden. Allein die Fahrt über die Rockies ist sehr beeindruckend. Auch ich bin sehr beeindruckt, zwar nicht von den Bergen, die kenne ich schon, sondern von meinem Truck. Der zieht die extrem langen Rampen mit enormer Steigung nur so hoch. Ich überhole Trucks, Reisebusse und auch Kleingetier. Ich will das hier nicht mit Worten ausdrücken, was ich gerade fühle. :-) Dann kommen die Abfahrten, genau so steil und lang. Ich muss nicht ein einziges Mal bremsen. Volker schaut immer verwirrter, wie geht das? Erste Einweisung in Trucktechnik, Motorbremse.

 

  • 14. September

 

Ein Tag des Organisierens. Wir leben alle noch aus unseren Reisetaschen. Es muss Ordnung her. Wir stellen den Abenteuer und Campmodus her. Nebenher wird eine Flasche Obstler vernichtet, der bekommt mir und auch Volker, nicht so gut. Vielleicht liegt es auch an der Menge. Am Abend sind wir bei Jerry zum Dinner eingeladen. Mexikanisch, mit Margaritas und einer lecker Nachspeise. In der Nacht plane ich mit Malcolm noch ein paar Trails. Malcolm und Pam sind Herzensfreunde und Malcolm ein begnadeter Fotograf , Schreiber und Komponist.

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  • 15. September

 

Der Kühlschrank ist noch leer und wir haben kein Bier. Das ist ein NO GO !

In Grand Junction gehen wir shoppen, im Walmart. Das ist sehr amüsant, wenn man Leute beobachten kann, die aus Zentraleuropa kommen und noch nie in einem amerikanischen Supercenter waren. Ich hab es sehr genossen, mehrmalig.

Wir kaufen eine 30 iger Bierbox. Ursula und Volker sagen mir, sie trinken nicht so gern Bier und soviel bräuchte es nicht. Das wird sich ändern, sehr bald. :-)

Auf geht es zum Black Canyon of the Gunnison. Ich weiß, welche Wirkung dieses Ding auf Menschen hat, die so etwas noch nie gesehen haben. Man steigt völlig ahnungslos aus der Karre und geht auf den ersten Aussichtspunkt, besser gesagt Einsichtspunkt zu und dann trifft es einen unvermittelt. Ursula ist gleich 3 Schritte zurückgewichen, mit einem, oh mein Gott Aufschrei und Volker konnte überhaupt nichts sagen. Ich kann das gut verstehen, mir ging es nicht anders beim ersten Mal. Der Black Canyon of the Gunnison ist für mich beeindruckender als der Grand Canyon. Wir übernachten im Park.

  • 16. September

 

Gegen Mittag haben wir, mit einigen Wanderungen, den South Rim besucht. Wir haben uns entschieden, in den Canyon hinunter zu fahren. Es gibt eine 16% steile Straße zum Canoyongrund. Dort machen wir, vor der Staumauer des Gunnison River, Lunch. Dann müssen wir die 16% und 8 Meilen wieder rauf. Ich bin im 4. Gang und muss nicht ein einziges Mal den Schalthebel betätigen. In den sehr engen Kurven nur kuppeln. Wieder sehe ich Fragezeichen in Volkers Augen, was macht der Typ da. 2. Lektion Truck Technik, Splittgetriebe. Als wir oben sind, sagt Volker echt beeindruckt, ruf die Hellgeth's an und sag denen, Leistung ist ausreichend vorhanden. Ich hab ein wenig Pippiwasser in den Augen, so sehr freue ich mich über Arminius. Der geht wirklich wie der Teufel.

Wir fahren einen großen Loop zum North Rim des Canyons und campen in der Prairie. Kurz vor Sonnenaufgang heulen die Kojoten was das Zeug hält. Ich frage die beiden beim Frühstück, ob sie das gehört haben? Volker schaut mich an und denkt so, ja ja Kojoten. 2 Stunden später wird er eines besseren belehrt.

 

  • 17. September

 

Am North Rim zeigt sich der Canyon von einer ganz anderen Perspektive. Das Visitor Center ist Luftlinie eine halbe Meile entfernt. Um von dort zu unserem jetzigen Standort zu gelangen, sind wir 190 Meilen gefahren. Ein bisschen mehr als von Hamburg nach Berlin! Als wir dort abfahren, jagt am Wegesrand ein Kojote eine fette Maus. Wir halten direkt neben ihm und Volker kann es filmen. Als er fertig ist, schaut er mich an und ich muss nur grinsen. Es geht weiter Richtung Ouray. Wir wollen nach Silverton. Hinter Ouray ist der Hwy 550, der Million Dollar Highway, für 4 Stunden gesperrt. Bauarbeiten, Zwangspause. Der Plan ist, den Alpine Loop zu fahren. Als es weiter geht, biegen wir auf den Alpine Loop ab. Es ist eigentlich ein Jeeptrail und echtes Colorado- Offroad- Fahren. Ursula wird ganz weiß im Gesicht und ich bin nicht sicher, ob sie noch atmet. Ich entscheide umzukehren. Wenn die Fahrt nur durch Angst bereichert wird, macht das keinen Sinn und wir würden 2 Tage für die Runde brauchen. Kurz vor Silverton zeigt ein Schild zum Ophir Pass. Ich kann nicht widerstehen. Die Aussicht auf dem Summit, 12000 feet, ist grandios. Als wir zurückfahren, sehen wir eine der braunen Fressmaschinen, die kurz vor dem Winterschlaf 20000 cal täglich!!! verzehren, einen Braunbär.

Wir schlafen kurz vor Silverton, an einem Fluss im Wald. Als ich am Morgen in meinem Dachzelt erwache, hat es Minusgrade. Vor zwei Tagen noch 32 Grad!

 

  • 18. September

 

Wir besuchen Silverton. „ Step back in Time“. Eine Kleinstadt, wie sie zum Silverrun ausgesehen hat. Mittags kommt der historische Zug von Durango nach Silverton. Eine schöne und riesige Dampflok. Wir stehen mit Arminius direkt neben den Gleisen, als das Ungetüm angedampft kommt. Volker hat einen riesengroßen Spaß an dem Ding. Der vollbesetzte Zug winkt uns geschlossen zu, ich weiß nicht, wer hier die Attraktion ist? Der Zug hält mitten in Town. Es gibt einige Personen, die den Zug in passender Kleidung empfangen, das ist ein sehr schönes Bild und ein echter „Step back in Time“. Unter anderem gibt es auch einen Sheriff, original 1880. Der posiert an der Durango and Silverton Narrow Gauge Railroad . Als er Arminius sieht, ist er sehr interessiert und stellt sich gleich in Pose, schwingt seinen Rock zurück und lässt den gewaltigen Colt aufblitzen.

Es ist immer wieder das Gleiche mit Arminius, die Mädels winken wie verrückt und die Kerle bringen sich immer in Pose. Sollte ich noch mal einen bauen, versuche ich das umgekehrt zu verwirklichen.

Am Nachmittag cruisen wir über Durango zu einem Camping direkt vorm Mesa Verde National Park.

  • 19. September

 

Im Mesa Verde NP kann man die Steilwandbehausungen der Anasazi Kultur bewundern. Leider hatte ein Spot, Cliff Palace, wegen Baumaßnahmen geschlossen. Das ist der einfacher zugängliche Spot. Man kann ihn aber von einem Kliffvorsprung sehr gut von oben sehen. Balcony House ist nur mit einer gebuchten Rangertour zu besuchen. A waren sehr viele Menschen da und B muss man über eine frei am Kliff stehende Leiter mit sehr großem Sprossenabstand in die Felsbehausung steigen. Nichts für Menschen, die nicht gut mit Höhen und Tiefen zurecht kommen.

Wir haben uns entschieden, eine kleine Wanderung zu machen, von deren Endpunkt man Balcony House auch sehen kann. Mesa Verde ist ein schönes Beispiel, wie Klimaveränderungen ganze Volksstämme verschwinden lassen.

Am frühen Nachmittag machen wir die Biege, zu viele Menschen. Beim Zurückfahren sehen wir ein paar wilde Truthähne. Volker grinst über das ganze Gesicht und schwingt schon die imaginäre Bratpfanne und Ursula denkt über die Füllung nach. Pech gehabt, National Park. Jedenfalls meine Beiden Gäste. :-) 2 Stunden später sind wir in 4 Corners. Hier kuscheln sich 4 Bundesstaaten mit jeweils einer Ecke ihrer Grenze aneinander. Utah, Colorado, Arizona und New Mexico. Wir machen ein Paar Bilder mit sportlicher Einlage. Schließlich will man in allen vier Staaten gleichzeitig sein. Dann düsen wir ab Richtung Campingplatz Canyon de Chelly.

 

  • 20. September

 

Ich stehe sehr früh auf und da kommt auch schon die Rangerin und kontrolliert, ob wir an der Selbstregistrierung für den Campingplatz auch bezahlt haben. Sie findet unseren Umschlag mit dem Geld, passend zur Autonummer, NICHT. Ich gehe mit ihr nochmals zum Einwurfbehälter und checke den Kasten, nichts. Volker sollte am Vorabend den Umschlag in den Behälter werfen. Er kam zurück und sagte, das Ding geht nicht durch den Schlitz. Wir sind dann zusammen hin und haben den Umschlag gefaltet und mit den Schlüsselbund reingeschoben. Irgendetwas hat da nicht gepasst. Ich musste noch mal bezahlen. Das war mir super peinlich. Da kommt man mit einer mords Karre angefahren und wird dann verdächtigt 14$ zu prellen. Frühstücken und nichts wie weg.

Am Vormittag machen wir einen schönen Hike zum Boden des Canyons, wo es auch sehr beeindruckende Ruinen gibt. Der Weg ist sehr steil und ab dem Vormittagsstunden in der Sonne. Meine beiden Gäste schlagen sich gut, auch wenn gegen Ende der Wanderung, die Köpfe langsam die Farbe der Roten Felswände übertrifft. Man darf nicht vergessen, dass wir uns auf 2000 m über Null bewegen. Das vergisst der deutsche Kopf gern. Da es keine Bergketten zu sehen gibt und das Land flach ist, meint man weit unten zu sein, denkste.

Wir nehmen die Indian Service Road 12 und fahren über die Buffalo Mountain Richtung Ship Rock. Auf der Passhöhe gibt es einen Overlook. Dort steht ein Pick up und einen Navajo Familie sitzt an einem Tisch, vielmehr die Mutter und die Tochter. Der Große Häuptling ist hacke voll und irrt in der Gegend rum. Dann nähert er sich den beiden Frauen, seine Frau sagt sehr leise aber unglaublich bestimmt, geh mir aus dem Weg! Häuptling "Sehr leere Flasche", trollt sich in die Büsche! Es ist halt wie im Rest der Welt auch!!!

Wir düsen die Berge runter und nähern uns Shiprock, nicht dem Städtchen, sondern dem Rock.

Es ist ein sehr beeindruckender, freistehender, scharfer Felsen; der 27 Millionen Jahre alt ist und stehen blieb, als das vor 16 Millionen Jahren angehobene Colorado Plateau anfing zu erodieren.

Als wir wieder auf dem Highway sind, ist es schon spät, fast dunkel und der nächste Camping ca. 60 Meilen weg. Ich beschließe, in TEC NOS POS vor dem US Postoffice zu übernachten. Ursula und Volker schauen ein wenig verwirrt, aber Bier, Essen und Schlafen gut. Ich werde nur einmal in der Nacht wach, als ein Pick up seine Lachgaseinspritzung zündet und das auf den 50m entfernten Highway. Ich dachte, das Ding kommt durchs Zelt.

  • 21. September

 

Wir sind am Morgen früh abgefahren. Da ich die Gegend um Bluff sehr gut kenne, war meine Vorfreude sehr groß. Wir sind eine ganze Weile entlang des San Juan River gefahren. Ein süßes Frühstück für die Augen. Ein paar Meilen nach Bluff geht es links in die Lime Ridge Road ab. Eine Schotterpiste, die am Anfang ganz gut ist. Nach der Schottergrube muss man links in einen Trail einbiegen. Ab da braucht man große Bodenfreiheit. Ich habe meine beiden Mitfahrer in ein schönes Gespräch verstrickt, damit sie nicht bemerken, wo wir gerade lang fahren. „ Und wenn ihr mal nach links in die Ferne schaut, könnt ihr erahnen wo der Mormonen Trail ist.“ Ich bin angekommen und beide schauen noch nach links. Soooo und jetzt Augen gerade aus!!!

Es ist mucksmäuschenstill! :-)

Wir stehen auf einem Felsvorsprung hoch über den Goosnecks des San Juan River. Ein atemberaubender Anblick.

Volker und ich schnappen uns die Kameras und los geht es. Ursula braucht eine viertel Stunde Bedenkzeit, aussteigen ja oder nein. Sie traut sich. Ich bin stolz auf sie.

Dann drehen wir eine geschmeidige und flotte Runde durch das Valley of the Gods. Als wir wieder auf dem Highway sind, fahren wir direkt auf ein riesiges Kliff zu. Es steigt senkrecht vor uns auf. Ich sage zu Volker, da müssen wir rauf, es gibt eine Piste in der Wand, den Moki Dugway. Volker sucht verzweifelt die Wand ab und dann kann er einen weißen Camper sehen. Das gibt’s doch nicht, oder? Doch, gibt es. Sieht von unten schlimmer aus als es ist. Die Fahrt nach oben macht Laune und zur Belohnung gibt es den Muley Point Overlook. Eine sagenhafte Aussicht bis zum Monument Valley. Auf dem Weg nach oben winkt uns ein Pärchen aus einem Strandbuggy, Marke Käfer, ganz aufgeregt zu. Als wir wieder unten sind und in den Goosnecks Staatpark einfahren, treffen wir sie wieder. Sie können nicht glauben, dass sie einen Unimog live erleben dürfen. Wir stellen uns zu ihnen und dürfen den gefühlt 50 Meter langen Trailer bewundern, in dem sie wohnen. Volker kommt kopfschüttelnd wieder raus und sagt, das Ding ist größer als unsere Wohnung und hat auch noch eine Garage. Da kommt wieder mein Spruch „ Think Big“, das ist Amerika! Wenn man an einen Truck Auspuffrohre schraubt, die am Ende ein Gitter haben, damit die Kinder nicht reinkriechen, dann kann man auch solche Trailer durch die Gegend schleifen. :-) Etwas später kommt noch ein sehr liebes und hübsches Pärchen aus Deutschland dazu, Maika und Robby. Sie verbringen einen Großteil ihrer Zeit in Canada und waren mit ihrem Dodge auf US Tour. Es wird ein sehr schöner Abend. Am Morgen bekommen die Beiden einen Expressritt durch das Valley of the Gods. Sie sind noch nie Mog gefahren. Also, nichts leichter als das.

  • 22. September

 

Wir schauen uns Mexican Hut an und danach Monument Valley. Dort treffen wir das erste Mal mit den Touristenmassen zusammen. Ein schrecklicher Anblick und auf dem Parkplatz steht eine Unzahl von Pick up’s, die mit 12 Sitzen auf der Ladefläche bestückt sind. Die gurken dann im Monument Valley herum und karren die Touris von einem Verkaufsstand zum anderen. Mit Lautsprecherdurchsagen und Musikbeschallung. :-(

Wir drehen unsere Runde und verziehen uns wieder. Hier sind eindeutig zu viele Menschen auf dem Quadratkilometer.

In der nächsten Ortschaft kaufen wir ein wenig ein und fahren dann zum Navajo National Monument. Das liegt 15 Meilen abseits vom Highway und sicher zu dicht an Monument Valley. Schade, es ist eine echte Perle. Eintritt, Camping und geführte Touren gibt es für umme, frei. Alles super in Ordnung und die Felsenruinen sind spitze. Und niemand da. Wir übernachten hier, da es sehr hoch ist, ist es abends kühl. Es gibt Futter aus der Indoorküche.

 

  • 23.September

 

Wir haben uns gestern für die geführte Tour im Navajo National Monument eingeschrieben und fast pünktlich geht es mit 7 Leuten los. Der Ranger ist super und der Trail sehr schön. Beim Aufstieg werden wir frei gelassen. Der junge Ranger hat sein Bein in Afghanistan verloren und eine Prothese, deshalb braucht er nach oben sehr lange und wir dürfen allein gehen. Der Aufstieg geht über Treppen und wir sind in großer Höhe. Ich gehe sehr langsam voran, um Ursula und Volker nicht zu stressen, die Beiden machen das großartig.

Wir machen Lunch und düsen dann ab Richtung Page. Auf der Fahrt gibt es nicht viel zu sehen, es wird immer wärmer und nach einer Weile setzt Volker seine super coole Sonnenbrille auf, ein sicheres Zeichen, dass er eine Auszeit nimmt. Aber ich hab ja noch Ursula, die ist immer hellwach. Mein Plan ist, am Horseshoe Bend zu übernachten. Ich habe damals mit Ingrid 3 Tage dort gestanden. Als wir ankommen, trifft mich fast der Schlag. Der ganze Parkplatz komplett voll. Am Rim ist es nicht besser. Ich hab das Gefühl, halb China ist da. Die asiatischen Kameraden sind nur damit beschäftigt, Selfies zu machen. Sie tragen ihre Smarthphones an langen Stöcken herum und knippsen sich selbst. Das Lustige ist, der Horseshoe Bend ist nie mit drauf. Naja. Dann fliegen da auch noch ein paar Drohnen umher. Ich muss schmunzeln, ein Amerikaner hat mal zu mir gesagt. „Drones are made for shotguns.” Der Kerl hat recht. Es ist super heiß und der Parkplatz super voll und wir haben keinen Bock bis spät abends Fragen über den Mog zu beantworten. Wir fahren zum Lake Powell und campen direkt am Beach, 2 Tage. Wie herrlich!!!

 

  • 24. September

 

Camping Lake Powell. Wasser 26 Grad und Luft 34 Grad, Celsius wohl gemerkt.

 

  • 25. September

 

Am späten Vormittag besichtigen wir den Glen Dam, der den Lake Powell anstaut. Dann fahren wir zu den unteren Antelope Canyon. Es ist wieder sehr voll, aber Ursula und Volker machen die Tour und sind sehr beeindruckt. Wir düsen auf der 89 Richtung Kanab. Direkt an der Straße gibt es die Toadstools Hoodoos. Ein 3 Meilen Rundweg der sich wirklich lohnt. Hier hat die Natur mit Farben und Formen übermütig gespielt. Wir übernachten an den Paria River Ruins. Ein magischer Ort und bei Vollmond umso mehr.

  • 26. September

 

Wir sind auf dem Weg zu meinem Lieblingsplatz des Grand Canyon, dem Toroweap Point. In Fredonia ist das Ranger Office zu, Samstag. Na ja, wer will am Wochenende schon einen Ausflug in einen Nationalpark machen???

Ich lese an einem Aushang etwas von Wegschäden nach starkem Regen und, das ist neu, etwas von einer Permit für den Campingplatz. Vor 3 Jahren war der frei und wer zuerst kam, hatte einen Platz.

Egal, ich kann ja immer noch auf dummer Touri machen. Nach Fredonia geht es links auf die Piste und 60 Meilen Vollgas auf Schotter. Keine Wasserschäden, alles bestens. Nach 57 Meilen kommt die Ranger Station und ja, man braucht eine Genehmigung. Der Ranger ist super nett und wir können das mit ihm regeln. Am Toroweap Point sind die beiden Seiten des Grand Canyon sehr eng zusammen und 1000m tief.

Die größte Herausforderung ist die Zufahrt zum Campingplatz, wer da keinen Allrader hat, ist verloren. Der Vollmond in der Nacht ist gigantisch. Es ist einen Tag vor der Mondfinsternis.

 

  • 27. September

 

Wir donnern den gleichen Weg wieder zurück. 75 Meilen pro Stunde auf Schotter mit leichten Bodenwellen, das ist nahe an einem O.....  :-)

Volker fasst zum Haltegriff, okay ich hab’s verstanden, 60 Meilen pro Stunde. Wir sind auf dem Weg zum Bryce Canyon und schauen noch mal bei den Corel Pink Sand Dunes vorbei.

Wir übernachten in einem National Forest, Kings Creek Campground. Die haben das Wasser schon abgestellt, Frostgefahr. Dafür halber Preis, find ich okay. Als wir parken, kommt der Nachbar, der flippt völlig aus, wegen dem Mog. 10 Minuten später kommt er mit der Kettensäge und wir machen einen Raummeter Feuerholz. Dann die Axt raus und spalten. Wir entfachen ein riesiges Feuer. Dadurch können wir lange draußen sitzen, obwohl es saukalt ist. Volker schüttelt immer wieder den Kopf. Was ist los mein Freund, frage ich ihn. Er sagt, ich kann das nicht fassen, wir sitzen mitten im Wald und machen so ein Feuer und das ist auch noch erlaubt, in Deutschland wäre das das Ende des Urlaubs und vermutlich das Ende des Kontos.

Selbstverantwortung funktioniert!!!

Am Morgen ist alles gefroren.

 

  • 28. September

 

Vom Camping zum Bryce Canyon sind es nur 15 Meilen. Wir verbringen den ganzen Tag dort und machen eine schöne Wanderung. Als wir an einem tollen Aussichtspunkt sind, sehe ich Tränen in den Augen von meinen beiden. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo sie von den vielen Eindrücken einfach überwältigt werden. Und Bryce Canyon ist ein würdiger Zeitpunkt. Glaubt mir, ich kann das nur zu gut verstehen, ich habe schon oft geweint, weil es so schön ist, dass es weh tut. Am Abend fahren wir zurück nach Kings Creek, den Rest Feuerholz verballern und schön grillen.

  • 29. September

 

Heute geht es nach Boulder City und dann durch den Long Canyon, auf dem Burr Trail entlang. An der Rückseite des Waterpocket Fold winden wir uns über die Burr Switchbacks hinunter zur Notom Road. Auf dem Cedar Mesa Camping ist für heute Schluss.

  • 30.September

 

Auf dem Weg zum Canyonlands National Park halten wir in Factory Butte City, oder auch Swingarm City genannt, an. Das ist eine Landschaft, wie auf einem anderen Planeten. Und die Jungs, die dort spielen gehen, sind auch nicht irdisch. Siehe Video Link.

https://www.youtube.com/watch?v=6_6-G0RsHSY

Im Canyonlands NP fahren wir den Sienic Drive und genießen den Sonnenuntergang. Wir campen auf BLM Land, was dem Volk kostenlos zur Verfügung steht, unter lauter Offroad Verrückten.

 

  • 01. Oktober

 

Einkaufen ist angesagt und wir brauchen Wasser, Diesel und Infos. Auf nach Moab. Ich nehme den Gemini Bridge Trail durch den Park, Richtung Moab. Wir bekommen alles und fahren zum Trailhead des Corona Arches. Für mich der schönste Arch. Ich weiß, dass die Wanderung dahin aber nicht ganz einfach ist. Es ist sehr heiß und es geht über eine Art Klettersteig. Ich lese den Beiden die Wegbeschreibung vor, aber nur in Englisch. In der Hoffnung, das sie nicht alles verstehen. Da ich weiß, was Ursula für Stress mit der Höhe hat. Ich möchte ihr aber unbedingt diesen Arch zeigen.

Sie meistert das ganz großartig und wird von mir zur Königin des Corona Trails gekrönt.

Respekt !!!

Anschließend cruisen wir auf der Potasch Road in den Sonnenuntergang.

  • 02. Oktober

 

Es riecht nach gebratenem Speck? Das kann nicht sein. Was für ein schöner Traum. Dann klappern Pfannen, doch kein Traum? Es ist aber noch dunkel. So langsam fängt mein Hirn an zu arbeiten. Wir sind auf dem Williams Bottom Camping und die Kollegen nebenan machen schon mobil.

Also gut, Gruppenzwang, ich dreh mich ein paar mal im Dachzelt, dadurch schaukelt die ganze Karre und meine Untermieter werden geweckt, obwohl, ich bin mir nicht sicher, ob der Speckgeruch nicht auch Volker hat aufschrecken lassen? :-)

Eine Stunde später sind wir im Arches National Park. Nach dem Lunch wandern wir zum Delicate Arch. Ursula traut dem Braten nicht ganz, vielleicht wieder so eine hinterhältige Überraschung? Ich spiele mit offenen Karten. Ganz am Ende läuft man an einer Kante entlang, die ziemlich exponiert ist. Sie möchte es versuchen. Meine Königin benimmt sich auch immer mehr königlich, sehr gut.

Los geht es. Wir meistern die Klippe mit erhobenem Haupt. Ich reiche ihr meinen Wanderstock und sie hält sich daran fest und wir reden übers Dinner. Uns kommen Leute entgegen, die schauen ein wenig irritiert. Ich sage, ein wenig Platz bitte, sie kann nicht gut sehen. Wir bekommen fast Applaus. Sorry, kleine Notlügen sind erlaubt, Ursula muss sehr lachen und vergisst dabei die Höhenangst. Als wir um die Ecke kommen, greift ein Wind nach uns, der uns fast zu Boden reißt. Man braucht ein paar Minuten, um damit umgehen zu können. Kurz darauf kommt eine kleine Chinesin mit einem Sonnenschirm um die Ecke, ich schwöre, hätte das Ding sich nicht auf links umgekrempelt, das Mädel hätte abgehoben. Im wahrsten Sinne: „ Vom Winde verweht“.

Mal ein Wort zu den asiatischen Freunden. Ich weiß nicht, was man denen zu Hause über die Sonne im Westen erzählt. Wenn man ihnen so zwischen den Felsformationen begegnet, denkt man sofort an einen nuklearen Zwischenfall. „The Day After“ oder so ähnlich. Zu meinen Armeetagen hieß das „Vollschutz“ anlegen. Na ja, jeder wie er mag.

Am Abend versuchen wir in der Cathedral Road, neben dem Colorado River zu campen. Alles voll, wirklich alle 3 Camping belegt. Ein nettes Pärchen aus Washington Staat winkt uns ran, sie teilen den Platz mit uns, wir übernehmen die Kosten. Das ist ein übliches Vorgehen, wenn alles belegt ist. Würde das in Deutschland auch funktionieren? Da müsste man sich erst einigen, wie die Gartenzwerge umgestellt werden. :-)

  • 03. Oktober

 

Die Reise neigt sich langsam dem Ende zu. Wir reden darüber, auf welchem Weg wir wieder nach Denver zum Flughafen kommen. Ursula sagt, wir haben noch keine Mitbringsel. Okay, letzte Gelegenheit wird Grand Junction sein, denn wir haben beschlossen, über den Rocky Mountain National Park nach Denver zu fahren. Also suchen wir einen Campingplatz in Grand Junction und gehen shoppen.

Wir rätseln, was ist etwas typisch Amerikanisches? Ich schicke ein paar Whats app in die Welt und die Vorschläge sind vielfältig und auch sehr lustig. Ich genieße den Anblick einer Frau, die beim shoppen in Stress gerät.

Anschließend und zur Belohnung, ich glaube so macht man das nach dem Shoppen, gehen wir bei „Chili's Grill & Bar“ essen. One full rack of ribs und drei große hausgemachte Burger. Lecker!!! Wir schleppen uns zum Truck, tuckern zum Camping, nehmen ein Verdauungsschnäpschen und rollen uns auf die Seite.

 

  • 04. Oktober

 

Vor ein paar Tagen meinte Volker zu mir, wenn ich mal einen Elch sehen könnte, das wäre cool. Vielleicht fahr ich mal nach Schweden oder Norwegen. Ich denke so, ich halt jetzt mal die Klappe und sende ein Stoßgebet nach oben.

Heute ist fahren angesagt. Von Gand Junction bis zum Rocky Mountain National Park sind es 210 Meilen.  Kurz vor Grand Lake gebe ich das Kommando zum Kamera fassen. Ein schöner Elchbulle spaziert auf der  Wiese. Danke da oben! Ein paar Minuten später sieht Volker welche am Fluss. Wir halten an und beobachten die Tiere eine ganze Weile.

Am späten Nachmittag sind wir im Park. Der Timber Creek Campground hat allen Service eingestellt, dafür kann man für umme campieren. Kein Service, kein Geld, alles okay. In der Nacht ist es bitter kalt. Ich habe meinen Unterzieher für einen Trockentauchanzug an und eine Skimaske auf dem Kopf. So ist es im Schlafsack sehr gemütlich und das Dachzelt hält den Wind ab.

 

  • 05. Oktober

 

Ich muss die Standheizung anmachen, sonst vergase ich den ganzen Campingplatz. Wir sind auf 9000 feet Höhe und es hat unter Null. Das ist eine Qual für den Motor. Nach dem Frühstück drücke ich auf den Startknopf und Arminius schnurrt wie ein Kätzchen. Am Abend sind die Wapiti Hirsche schon auf dem Camping umhergelaufen, sicher sehen wir heute noch mehr, denn es ist Brunftzeit. Wir fahren über die Trail Ridge Road und sind auf über 12000 feet, das ist immerhin 3700 m über normal Null. Als wir um eine Kurve kommen, sehen wir Dickhornschafe. Raus aus dem Auto und Fotos machen. Einer der Böcke ist mit mir nicht ganz so einverstanden und zeigt mir, wer hier der Boss ist. Ich hab doch vor kurzem erst geduscht, keine Ahnung warum der so sauer war.

Es geht wieder ins Tal und wir finden eine Übernachtung auf dem Moraine Park Campground. Es ist noch nicht spät, aber Ursula und Volker müssen packen, leider. So langsam schlägt die Stimmung um, aber wer kennt das nicht. Ich gehe mit Volker am Abend noch mal zu den Wiesen und wir schauen und hören den Hirschen zu. Wir essen zu Abend und trinken noch einen Schluck, aber es tut trotz allem weh. Der Flieger geht kurz nach 17 Uhr, somit haben wir beschlossen, kurz nach dem Mittag am Flughafen zu sein. Gute Nacht.

 

  • 06. Oktober

 

Routine am Morgen, es ist alles das letzte Mal. Frühstücken, abwaschen, Lunchpaket, fahrfertig machen. Und schon geht es los.

Jeder hängt seinen Gefühlen nach und es wird nur wenig gesprochen. Als ich das erste Mal Netzempfang habe, gehe ich online und checke den Flugplan, alles in time.

Kurz nach Mittag sind wir in Denver am Flughafen und parken Arminius. Keiner will aussteigen. Wir schleppen das Gepäck ins Terminal und die beiden checken ein. Ein letzte gemeinsames Essen und dann bringe ich sie zur Sicherheitskontrolle. Das ist gerade fast nicht zum aushalten, wir winken uns nochmal zu, dann muss ich gehen.

Es waren sehr aufregende, schöne und spannende 3 Wochen, danke Ursula und Volker.

Ich übernachte am Flughafen und merke, wie Einsamkeit die Tür öffnet.

 Das wars!                                                       Töttelstädt, den 25.10.2015
 
 - Ein Rückblick -
 
Das war es, das Abenteuer unseres Lebens! Von uns über einen langen Zeitraum herbeigesehnt, mit vielen Fragen und noch weniger Anworten, die wir uns in Vorbereitung auf die große Reise gestellt haben. Alles was wir uns als "Nichtsprachgewandte" Mitteleuropäer von dieser Reise erhofft haben ist auch und vor allem Dank unseres umsichtigen Guides in Erfüllung gegangen, und viel mehr noch.
 
Wir hatten grandiose und einmalige Erlebnisse, die wir mit Jörg "erfahren" und erlaufen haben. Mit seiner Umsicht und Erfahrung durch mehrfaches Bereisen des Landes, hat er uns beigebracht wie dieses Land, seine Menschen und die Natur tickt. Mit seinem Sicherheitsverständnis haben wir uns in jeder Situation gut aufgehoben gefühlt. Wir haben immer einen gemeinsamen Weg zwischen Sicherheit und Action gefunden. Jörg hat uns auf unseren Touren aber auch gezeigt, das man mehr leisten kann als man glaubt. Bei ca. 4500 gefahrenen Kilometern hat Jörg immer versucht, unser Wünsche zu erfüllen und damit diese Reise für uns zu einem einmaligen emotionalen Erlebnis werden zu lassen.
 
Wir bedanken uns nochmals recht herzlich für die vielen gesammelten Eindrücke und wünschen Jörg allzeit gute Fahrt.
 
Volker und Ursula
 
P.S. An unsere potentiellen Nachfolger:
TRAUT Euch und erlebt es selbst.
Ihr werdet es nicht bereuen

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